Helmut Schmidt

Artikel-Nr.: 776

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Farbstift
Dvz. 1535
Format: 200 x 280 mm
06.11.2021

* Fiktive Rahmung. Preis ohne Rahmen.

Als Helmut Schmidt 2015, im gesegneten Alter von 97 Jahren verstarb, trauerte ein ganzes Land und wohl auch die gesamte Welt (und ich auch zutiefst), wohlwissend nun einen weiteren ganz Großen, der immer wieder auch medial allgegenwärtig war, endgültig verabschieden zu müssen. Nicht unbedingt den Altkanzler der SPD, sondern den großen, stets bedachten, weitsichtigen Mahner und Kritiker der aktuellen, weltweiten Tagespolitik. Seinen fast sakrosankten Ruf hinsichtlich seiner stets unbestechlich, überparteilichen, politischen Korrektheit und Weitsicht, erwarb er sich vor allem nach seiner aktiven, politischen Tätigkeit, u.a., als Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit, durch seine zahlreichen Bücher, Erinnerungen und persönlichen, politischen Einschätzungen der Weltpolitik, und dem Umstand, bis hin ins hohe Alter hinein, stets ein mehr als gern gesehener Gast in den Talkshows/Politsendungen gewesen zu sein. So genoss und genießt Helmut Schmidt als Elder Statesman parteiübergreifend, sogar über seinen Tod hinaus, eine weltweit hohe Popularität, Anerkennung und Beliebtheit.

Ich will mich gerne einreihen, in den Reigen all der weltweiten Bewunderer, denn ansonsten könnte ich all meine Helmut Schmidt Portraits auch nicht erklären, dennoch wohlwissend, das auch ER nicht immer so beliebt war, wie heute. Somit nun zuerst, meine neueste Schmidt-Variation ... Was eben gerne hinsichtlich des Mythos Schmidt immer wieder vergessen wird ist die Tatsache, dass er während seiner aktiven Kanzlerschaft (1974-1982) bei weitem nicht so beliebt und populär war, wie es ihm später zugestanden, ja so einfach zuflog. Seine schnellen unbürokratischen Hilfen, als Innensenator Hamburgs, hinsichtlich der Sturmflut 1962, waren längst vergessen und mit seiner unerbittlichen Haltung gegenüber der RAF, im düsteren deutschen Herbst, mit all seinen Opfern, konnte er, und hätte kein anderer auch, nur wenig an weiterer Popularität gewinnen können. Er „wirkte“ einst als überaus arrogant, hanseatisch unterkühlt und nur wenig kompromissfähig – er hielt die damals aufkommende Grünenbewegung für einen völlig überflüssigen Blödsinn und Zuwanderungen, um den Arbeitsmarkt zu entlasten, für einen nicht wieder gutzumachenden Fehler. Helmut Kohl, der ihn, auf Grund eines Misstrauensvotum der FDP 1982 als Kanzler ablöste, hielt Schmidt (den die eigene Partei anschließend dann auch fallen ließ), der sich intellektuell lieber an seinem Feindbild Franz Josef Strauss abarbeitete, für einen Provinz Politiker von eher kurzweiliger Natur. Auch darin sollte er sich täuschen und diese Fehleinschätzung, die politische Leistung Kohls, z.B. in Sachen Wiedervereinigung, wollte er nur sehr zögerlich einräumen, nachträglich anerkennen.

Helmut Schmidt war lebenslang ein Viel- und Genuss Raucher und nichts und niemand hätte ihm dies verbieten können. Als 2008 selbst in Deutschland das Rauchen in öffentlichen Räumen, in Restaurants, Hotels und auch in Kneipen verboten wurde, prognostizierte der allzu Weise und Weitsichtige noch, dass sich solche dummen Verordnungen nicht lange halten würden. Auch hier sollte er sich täuschen.

Er selber setzte sich stets über alle Rauchverbote hinweg. Selbst im streng Rauchfreien Amerika bezahlte er dann gerne auch die zusätzlichen Hotelkosten und in Restaurants, wenn die Kellner aufgeregt auf ihn zusprangen um ihn auf das bestehende, strikte Rauchverbot hinzuweisen, eilten andere gleich herbei um zu insistieren: WISSEN SIE NICHT WER DAS IST? DAS IST HELMUT SCHMIDT! Wer immer Helmut Schmidt zu Lebzeiten einlud, ein Aschenbecher musste her, selbst das Fernsehen war hier keine Ausnahme. Und hier war ER die totale Ausnahme, aber ALLE wollten ihn, klebten an seinen Lippen.

Helmut Schmidt als Raucher, der sich stets allen Rauchverboten widersetzte, sich selbst in TV-Studios eine nach der anderen ansteckte, machte ihn bei vielen, natürlich vor allem bei den zunehmend gegängelten Rauchern und allen anderen, den generellen Verbotsverweigerern, noch sympathischer. Andere dagegen kritisierten dagegen seine mangelnde Vorbildfunktion in dieser Sache. Aber an einer damals schon über 80jährigen Politikone Kritik zu üben ist mehr als müßig, erübrigt sich im Grunde schon von selbst. Hätte man ihm das Rauchen verboten, wäre er schlichtweg nicht gekommen. So waren seine Auftritte, wo auch immer, seine Ansichten und Meinungen wohl immer wichtiger, als der unwillkommene Qualm seiner Zigaretten.

Um leider nochmals auf Helmut Schmidts Passion des Rauchens einzugehen: Nicht jeder Vielraucher, so wie ich auch, sollte sich sicher sein, immer weiter rauchend, ein ebenso biblisches Alter zu erreichen, auch wenn man auf Menthol Zigaretten, anders als der Altkanzler, generell verzichtet. Vermutlich weil sie einem ganz einfach nicht schmecken. Diese allerdings waren seine Lieblingsrauchware, denen 2014, also einem Jahr vor seinem Tod, ein generelles, weltweites Verbot drohte, weil der Zusatz an Menthol die Wahrscheinlichkeit an einer Lungenkrankheit zu erkranken angeblich nochmals um ein Vielfaches erhöht und er in Panik verfallen, alles an noch vorhandenen Stangenwaren in Deutschland aufkaufte. Dies allerdings erscheint mir nicht mehr als ein Gerücht … oder? Und wenn doch: Auch Ikonen sind nur Menschen!

Helmut Schmidt war aber eben auch, neben all seinen politisch- publizistischen Tätigkeiten, ein großer Freund der Künste, spielte selbst auch überaus gut Orgel und Klavier, dessen musikalischen Qualitäten sogar zu diversen Schallplattenaufnahmen führten. So zum Beispiel von Wolfgang Amadeus Mozart, Konzert für drei Klaviere und Orchester, oder von Johann Sebastian Bach, Konzert für vier Klaviere und Streicher, jeweils gemeinsam eingespielt mit den weltweit anerkannten Pianisten Christoph Eschenbach, Justus Frantz sowie Gerhard Oppitz.

Helmut Schmidt war auch stets ein immer währender studierender und allseits neugieriger Leser zugleich, angeblich schon seit Zeiten seiner Jugendzeit in der Wehrmacht, ein Bewunderer u.a. der Schriften von Mark Aurel und Immanuel Kant, welche seine Bemühungen als Politiker um pragmatisches Handeln zu sittlichen Zwecken verständlich erscheinen lassen, aber nicht jedem gefallen haben mögen.

So schrieb und resümierte einst der deutsche Philosoph Volker Gerhardt über Schmidt: Er sei selber Philosoph im Sinne eines Moralisten, der sich darauf verpflichtet, ein moralischer Politiker zu sein. Er stehe in einer Linie mit Otto von Bismarck, Walther Rathenau und Winston Churchill.

„Alle drei waren Genies des politischen Handelns; alle waren mit einer großen intellektuellen Begabung ausgezeichnet, haben politisch Großes geleistet und überdies ein bedeutendes literarisches Werk hinterlassen. Ihnen ist Helmut Schmidt ebenbürtig, auch wenn er als Autor mehr veröffentlicht hat als alle drei zusammen […] Sein Werk steht im Zeichen der ethischen Frage. Es nimmt die weltpolitischen Lehren ernst, die aus der Wirtschaftskrise des Jahres 1928, aus den weltpolitischen Folgen der Not, aus den Weltkriegen und aus der mit der Entwicklung der Technik erstmals für alle sichtbar gewordenen Gefahr der weltweiten Selbstvernichtung der Menschheit gezogen werden müssen. Indem sich Helmut Schmidt im Laufe seines Lebens dieser Probleme mit wachsender Intensität annimmt, erkennt man, dass seine immer deutlicher zutage tretende Hinwendung zur Philosophie selbst wieder politischen Einsichten gehorcht. Darin ist er immer Politiker geblieben, aber die Philosophen täten gut daran, ihn so ernst zu nehmen, als sei er einer von ihnen.“

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