Eyes wide shut

Artikel-Nr.: 388

Derzeit ausgestellt, bis zum 31.01.2023, in der Galerie Jutta Radicke • Eisenachstr. 33 • 53757 Sankt augustin • tel: 02241 / 33 57 73 • e-mail: info@galerieRadicke.de

580,00 / Blatt
Preis inkl. MwSt.

Federzeichnung, Farbstift, Aquarell
Dvz. 1530
Format: 330 x 185 mm
01.11.2021

* Fiktive Rahmung. Preis ohne Rahmen.


Ich bin durchaus ein großer Fan Stanley Kubricks, muss allerdings eingestehen, dass ich mit diesem Film, seinem letzten, denn der große Visionär des Kinos verstarb kurz nach dessen Veröffentlichung, nicht wirklich viel anfangen kann. Ich habe nichts gegen Erotik oder gar pornografischen Elementen in Filmen, natürlich wissend, dass vermutlich ein jeder dazu eine eigene Sichtweise hat. Aber wenn sich mir die Story eines Films nicht wirklich erschließen will, dann hilft am Ende auch kein großer Name, um eine für mich misslungene Umsetzung eines an sich klassischen Themas schön zu reden. Denn Kubricks „Eyes wide shut“ basiert auf einer Novelle von Arthur Schnitzler, dessen sogenannter Traumnovelle von 1926. Schnitzler beschreibt hier in dieser Novelle die scheinbar harmonische Ehe des Arztes Fridolin und seiner Frau Albertine. Unter der Oberfläche werden beide von ungestillten erotischen Begierden und Träumen heimgesucht, die sich durch wechselseitige Entfremdung zu einer Ehekrise auswachsen.

Bereits 1968, kurz nach der Veröffentlichung von „2001: Odyssee im Weltraum„, Kubricks ganz großer Meilenstein der Filmgeschichte, feilte er immer wieder an einer Umsetzung der Traumnovelle, spielte immer wieder neue mögliche Umsetzungen und Adaptionen durch, um am Ende, dann 30 Jahre später endlich, mit Tom Cruise und Nicole Kidman diesen alten Stoff ins New York, Ende der 1990er Jahre, zu verlegen. Doch das Geheimnisvolle dieser Traumnovelle basiert auf einer Entdeckungsreise in das eigene Ich, den Abstieg in die Tiefen der eigenen Psyche und den Veränderungen in den wechselseitigen Beziehungen beider Protagonisten. Des weiteren umschreibt die Novelle eine Fülle von psychologischer Metaphorik und Symbolismen – ermöglicht am Ende den Protagonisten, in einer abschließenden Aussprache, die Erkenntnis, dass durch das unbewusst erotische Verlangen nach stets neuen Spielbarkeiten dieser und dessen heimlichen (gedanklichen) Auslebens, ihre Beziehung, ihre Ehe im Grunde am Ende ist. Diese Feinheiten versucht Kubrick auch in seinem Film zu vermitteln, allerdings mit nur mit mäßigem Erfolg. Denn was 1926 vielleicht noch allzu modern, ja mehr als revolutionär klang, ist in den 1990er Jahren im Grunde ja schon ein alter Hut. Dennoch, bei aller Kritik an dieser Filmumsetzung, und dies nicht nur von meiner Seite, war Eyes wide shut am Ende an den Kinokassen doch recht erfolgreich. Wo Albertine nun, unter welchem Bett auch immer, ihre Schuhe mal wieder vergessen hat, wer weiß dass schon …

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