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Himmelstoß

Artikel-Nr.: 665

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1.200,00 / Blatt
Preis inkl. MwSt.
Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 5243
Format: 500 x 500 mm
September 2020

* Fiktive Rahmung. Preis ohne Rahmen.

Er war klein, etwas zu übergewichtig und sein einst stets freundliches Gesicht zierte ein überaus stolzer, aufgezwirbelter Schnurrbart. Man grüßte ihn schon aus der Ferne wohlwollend winkend und hielt auch gern ein vertrauliches Schwätzchen mit ihm an der Eingangstüre. Himmelstoß war der allseits vertraute Postbote jenes Stadtbezirks, den natürlich auch Paul Bäumer (Im Westen nichts Neues) und seine Mitschüler mehr als gut kannten, ihn allzu vertraulich auf der Straße mit „Himmi“ ansprachen. Aber auch Himmelstoß folgte 1914 dem Ruf des Vaterlandes um in den einen großen, den alles entscheidenden Krieg zu ziehen. Und dank seines zuvor abgeleisteten Militärdienstes, gemäß seines Standes als öffentlich bestellter Postzusteller, begann er seine zweite militärische Karriere gleich im Range eines Unteroffiziers der Reserve, als Ausbilder der ihm zuvor so freundlich zu gewandten Schüler seines Bezirks.

Doch kaum hatte Himmelstoß die Uniform gewechselt, die Straßen der Stadt gegen die Abgeschlossenheit des Kasernenhofes eingetauscht, den Dienst an der Allgemeinheit, die des Briefe Austragens gegen die Möglichkeit nun Macht auf Andere ausüben zu können vertauscht, war er, der „Himmi“, plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen. Der einst so vertraute, freundliche kleine Mann von nebenan, tat sich nun vor allem durch übermäßigen Drill und völlig unangemessene Schikane hervor, mutierte somit zum Schrecken des Kasernenhofs und avancierte zum Hassobjekt Nummer eins, der Kasernenklasse Paul Bäumers.

Als Himmelstoß nun Wochen später ebenfalls an die Westfront abkommandiert wurde, traf er erneut auf Paul Bäumer und den Rest der von ihm einst so übel schikanierten jungen Rekruten. All jene konnten bisher dem unsinnigen Wahn, dem Tod durch reines Glück des Schicksals, also der einen entscheidenden auf sie zu fliegenden Kugel, dem einem Stich eines feindlichen Bajonettangriffs, nur rein per Zufall entrinnen. Aber all die anderen unzähligen Toten an ihrer Seite vermochten sie nicht einmal mehr zu zählen und die absurden Verstümmelungen der nur Verletzten kaum noch ertragen. Die allzu jungen, die ach einst so Dummen, keine zwanzig Jahre alt und kaum der Schulbank entrückt, benehmen sich, entrückt jed weder Normalität angesichts des Feindes, der Humanität gänzlich entfremdet, wie die Tiere.

Und somit kommt ein Himmelstoß gerade recht an die Front, immer noch beseelt von militärischer, preußischer Korrektheit, nun treffend auf die totale Apokalypse, in Form von Chaos, Dreck, Kot, Ratten und leiblicher Verwesung all der Gefallenen, nur Unweit der eigenen Stellungen. Hier zeigt sich mal wieder deutlich, dass Mauern, vor allem die einer Kaserne, die eines Kasernenhofs, nur eine Welt in sich ist und nur wenig mit der Realität gemein haben. Eben 08/15 dies …

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